Bevor Du uns näher kennenlernen wirst, möchte ich mich bei Dir vorstellen.


Geboren wurde ich im Jahre 1890. Da wir zur selben Familie gehören, brauch´ ich Dir ja keine Details über unsere ersten Gehversuche erzählen. Von wegen erste Löschmittel usw. War überall dasselbe. Sei mir bitte nicht böse, wenn ich die ersten 100 Jahre jetzt einfach überspringe. Nicht, weil´s nichts zu erzählen gäbe. Ich denk´ mir halt, über die Gegenwart zu diskutieren ist doch viel interessanter.

 

Was sich in den über 100 Jahren nicht verändert hat, ist mein Wohnsitz. Nach wie vor logiere ich an der Hauptstraße 33 in Kritzendorf. Das ist eine Katastralgemeinde von Klosterneuburg, mit knapp 3000 Einwohnern. Im Sommer sind´s fast 6000. Da strömen viele Wiener in unsere Donausiedlung. Ein Gebiet, das mir vor allem bei Hochwasser enorme Arbeit beschert. Beginnend beim Bau von vier Hochwassersperren, über dutzende Pkw-Bergungen bis zu - so wie im August 2002 - an die 100 Evakuierungen von eingeschlossenen Personen.

 

Natürlich kann ich mich im Einsatzfall auf 55 fleißige Mitarbeiter, meine Kameraden, verlassen. Die sind, gibt´s einen Alarm, nach 2,55 Minuten - das ist unsere durchschnittliche Ausrückzeit - mit einem TLF 3000, einem RLF, einem Rüst-Fahrzeug, einem Kommando-Fahrzeug oder einem Mehrzweckfahrzeug zum Einsatzort unterwegs. Und eines kann ich Dir sagen: Fad ist mir noch nie geworden. Pro Jahr werde ich an die 150 Mal zu Hilfe gerufen.

 

Wie auch Du, muss auch ich meistens zu technischen Einsätzen ausrücken. Zusätzlich betreue ich noch ein Altenheim mit 250 und ein AUVA-Rehabilitationszentrum mit 200 Betten. Da kommt´s immer wieder zu TUS-Alarmen. Wobei es in beiden Anstalten des öfteren auch zu Zimmerbränden kommt.

Besonders gebraucht werden wir beim Gewässerschutz. Da ein Nebenarm der Donau, der sogenannte Durchstich, zur Trinkwasserversorgung Klosterneuburgs dient, müssen wir bei Austritten von gefährlichen Stoffen auf der Donau immer wieder Ölsperren aufziehen.

 

Na ja, wie Du siehst, ist immer etwas zu tun. Kein Tag vergeht, wo ich mich gemütlich zurücklehnen und mir die Sonne auf den faulen Bauch scheinen lassen kann. Dafür mag man mich in Kritzendorf. Wenn ich zu meinem Heurigen Ende Juni einlade, dann wird mein Haus und Garten regelrecht gestürmt. Die mir anvertrauten Menschen fühlen sich wohl bei mir. Und das freut mich besonders. Auch wenn ich Geldsorgen habe, kann ich mich auf die Kritzendorfer auch verlassen.

 

Jetzt höre ich auf zu philosophieren, sonst langweilst Du Dich noch. Ich wünsch Dir für Deine Aufgaben alles Gute. Lass´ Deine Mannschaft schön von mir grüßen. Vielleicht sehen wir uns bald.

 

Liebe Grüße

Deine Feuerwehr Kritzendorf

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